"Im Herzen bin ich immer Pastor"

Nachricht Hannover, 14. Januar 2022

EMA Medienexperte Kay Oppermann wechselt in Gemeinde

Kay Oppermann am Arbeitsplatz. Bild: EMA

Im Frühjahr 2022 verlässt Pastor Kay Oppermann die Evangelische Medienarbeit als Leiter der Digitalen Agentur. Diana Schild sprach mit dem künftigen Gemeindepastor in Nordstemmen über die vergangenen 10 Jahre, über Herausforderungen, Erfolge und Perspektiven.

 

Im März 2011 sind Sie als Referent für Internetarbeit ins EMSZ gekommen. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück?

Es war eine tolle Zeit. Wir durften die Internetarbeit der Landeskirche von Grund auf neu gestalten und haben uns wie Erfinder:innen gefühlt. Ich erinnere mich an den ersten Sommer 2011 in dem wir für alle kirchlichen Arbeitsfelder Texte geschrieben haben.

Es war eine Zeit vor dem Boom von Facebook, Instagram und Twitter in der Kirche. Damals waren Webseiten noch „Homepages“ und wir wollten alle Gemeinden und Institutionen der Landeskirche mit neuer Infrastruktur glücklich machen. Schon damals gab es viele tolle Rückmeldungen, die uns angespornt haben.

Sie haben mit ihrer Expertise und Begeisterung für digitale Kommunikationsstile und Techniken immer wieder große Dinge bewegt, Mitarbeiter gefördert und damit die Evangelische Medienarbeit auf ein ganz neues Niveau gehoben. Was haben Sie in Ihrer Laufbahn als Abteilungsleiter der Digitalen Agentur für sich selbst neu erfahren und gelernt?

Demut. Auf jedes gelöste Problem folgen drei neue ungelöste. Das Internet und Kommunikationstechniken verändern sich schneller, als wir als kleines Team unsere Lösungen anpassen können. Manche Projekte waren echte Knaller wie z.B. „Wir sind evangelisch“. Aus anderen haben wir gelernt, dass sich jede Idee am Markt bzw. an den Bedürfnissen unserer Kirche beweisen muss.

Gelernt habe ich in Hannover vor allem auch, einen langen Atem zu haben. Ideen brauchen Konzepte, Konzepte brauchen politische Mehrheiten und diese brauchen Geld und am Ende einen Umsetzungsplan und eine Evaluation. Als Digitale Agentur haben wir gelernt, ein eigenes Profil zu entwickeln und mit einer klaren Angebotsstruktur für unsere Partner da zu sein. Bei uns gibt es keinen „Anschluss- und Benutzungszwang“. Dadurch sind manche Wege länger.

Was sind für Sie die wichtigsten Erfolge Ihrer Arbeit? Was die schönsten Erfahrungen?

Mit Systeme-e haben wir ein etabliertes Produktportfolio geschaffen. Mir ist ein ähnlich ausgebautes System in keiner anderen Kirche der EKD bekannt. Intern-e besitzt mit 28.500 Accounts drei Mal so viele Nutzer:innen wie das landeskirchliche Mailsystem. Die anderen Systeme bedienen aktiv mehr als 9.000 beruflich und ehrenamtlich tätige Personen.

Die digitale Agentur hat zudem einen hervorragenden Support und eine leistungsfähige digitale Produktion mit ebenso engagierten Mitarbeiter:innen, die Probleme der Nutzer:innen sehr fix lösen. Im letzten Jahr wurden über 6.000 Supporttickets und damit Anfragen bearbeitet. Darauf bin ich stolz.

Sind Sie zufrieden mit dem Stand der Digitalität in der Landeskirche?

Die nächsten Jahre werden weitere enorme Herausforderungen für Gemeinden und Einrichtungen bei der Digitalisierung der Kommunikation bringen. Ziele sind für mich das papierlose Pfarramtsbüro, die einheitliche Nutzung von Kommunikationstools wie intern-e und eine gute Grundlage für digitale Seelsorge und Beratung. Wir sind in der Landeskirche in diesen Bereichen auf einem guten Weg. Konkret wünsche ich mir, dass in 2022 das Haus der Digitalen Seelsorge, sozusagen als Chatseelsorge 2.0, an den Start geht.

Welches Projekt/ welche Projekte haben Sie als besondere Herausforderung erlebt?

Im Moment gestalten wir die Hauptseite der Landeskirche inhaltlich und technisch neu. Dazu ist es ganz wesentlich, Personen und Daten abfragen zu können. Schon seit einigen Jahren beschäftigen wir uns mit umfassenden Informationsdatenbanken. Es sollte für kirchlich wenig Verbundene schnell möglich sein, die Pastorin vor Ort oder auch einen schnellen Weg zu Formularen oder Anmeldungen zu finden. Hier liegt noch viel Arbeit vor uns.

Das Workshop-Format e-breakfast im Sommer 2016. Bild: EMA

Was war und ist Ihr Schlüssel, um Gegenwind und Hürden in Arbeits- und Entwicklungsprozessen entgegenzuwirken?

Aufgaben löse ich nie allein. Im Team geht alles leichter. Fügt man gute Argumente und den Faktor Zeit hinzu, lassen sich die meisten Hürden überwinden. Wenn es nicht schnell gehen muss und ein gutes Konzept geschrieben ist, teilt sich manche große Herausforderung in viele kleine Schritte auf, die viel einfacher zu gehen sind.

Ich arbeite gerne an diesen kleinen Schritten und frage nach: Was wurde bereits zur Lösung getan und was hat es gebracht? Hilfreich sind ebenso genaue Beschreibungen von Visionen. Wenn wir in einer Idee „spazieren gehen“ können, fällt die Umsetzung leichter.

Gibt es auch Strategien, die Sie heute nicht mehr anwenden würden? Dinge, die Sie heute anders entscheiden oder handeln würden?

Sascha Lobo sagte auf der re:publica in Berlin einmal. „Wir ändern die Welt nur durch Mut und Wut.“ Auch ich bin verliebt ins Gelingen und bereit, für dieses Gelingen sehr viel zu tun. Ich habe jedoch auch gelernt, dass es in der Arbeit der Digitalen Agentur keine schnellen und kurzfristigen Lösungen gibt.

Wenn diese ab und zu doch einmal möglich sind, wie die aktuelle Webseite zum Impfen und Testen in Kirchengemeinden (impfen-testen.landeskirche-hannovers.de), ziehen sie einen großen Wartungs- und Betreuungsaufwand nach sich. Vor 10 Jahren wollte ich jeden Tag etwas Neues erfinden. Heute reicht mir eine Erfindung pro Monat. ;-)

Wie viele Überstunden haben Sie in Ihrer Karrierelaufbahn in der EMA gemacht?

Als Pastor gibt es ja eigentlich gar keine Überstunden. In meinen ersten beiden Jahren im EMSZ habe ich noch Stundenzettel geführt. Die waren immer sehr schnell voll.

Wofür sind Sie beim jetzigen Abschied dankbar?

Für unendliche viele herzliche Begegnungen in der Landeskirche und der EKD. Es gab eine große Zahl an Projekten und Produkten. Ich durfte viel ausprobieren und in Teams erfinden. Ein Höhepunkt war die kleine Feier nach fünf Jahren Internetarbeit im Michaeliskloster Hildesheim mit Showprogramm. Daran denke ich gern zurück.

Sie waren bereits von 1999-2011 als Pastor im Kirchenkreis Bremervörde-Zeven? Nach 10 Jahren erfolgreicher Karriere in der EMA kehren Sie nun zurück auf die Kanzel. Warum haben Sie sich für diesen Weg entschieden?

Im Herzen bin und bleibe ich Pastor. Menschen auf ihrem Lebensweg an entscheidenden Stellen zu begleiten, Trost zu spenden und Lebens- und Glaubensfragen ganz konkret zu beantworten, ist eine wundervolle Aufgabe. 10 Jahre für eine berufliche Phase empfinde ich als einen guten Zeitraum. Zudem predige ich sehr gern und freue mich auf Formate wie Kirchenkaffee und moderne Gottesdienste mit voller Kirche. Ich hoffe und bete, dass dies bald wieder möglich sein wird.

Wie wird Ihr Neustart in den kommenden Monaten aussehen? Worauf freuen Sie sich besonders?

Wir werden als Familie wieder in ein Pfarrhaus ziehen. Das finde ich toll. Ich freue mich auch auf die Aufgaben eines Pastors. Gottesdienste, Amtshandlungen, Kirchenmusik.

Ich möchte Kirche vor Ort gestalten und mit vielen Engagierten vor Ort zusammenarbeiten. Dafür bietet die Gemeinde in Nordstemmen ein ideales Umfeld mit viel Power und einer kräftigen Affinität zu neuen Medien.

Der Start in der Gemeinde ist für März geplant. Dann stehen zunächst viele Besuche an. Ich habe mir 100 Besuche in 100 Tagen vorgenommen.

Werden Sie mit ihrer Abteilung und der EMA weiterhin in Verbindung bleiben?

Die EMA wird sich in den nächsten Monaten verändern. Auch mein Arbeitsbereich wird neu gestaltet. Selbstverständlich werde ich die Verbindung zur EMA halten und deren Produkte in der Gemeinde nutzen.

Was macht die EMA in der jetzigen Zeit zu einem wertvollen Player in Kirche und Gesellschaft und was wünschen Sie der Einrichtung und Ihren Kollegen für die Zukunft?

Die EMA adaptiert Digitalität in die Gemeinden und Institutionen unserer Kirche. Sie passt Standardprodukte auf kirchliche Bedürfnisse an, erfindet wo nötig Spezialprodukte und begleitet die gesamte Landeskirche in digitalen Herausforderungen.

Mein Bild dazu in der Epiphaniaszeit: Die EMA ist ein pulsierender Stern. Er leuchtet, liefert Energie, sammelt sich, liefert neue Energie. Die EMA ist Teil eines Himmels mit vielen Sternen, die manchmal einen „großen Wagen“ für schwere Lasten in Kirche und Gesellschaft bilden und dann einen „kleinen Bären“, der neues entdeckt, neue Formen der Zusammenarbeit und digitale Lösungen. Die EMA nimmt dankbar Ideen aus dem gesamten Himmel auf. Sie ist voll Energie für den Zukunftsprozess Kirche 2030 und ein wertvoller Partner für kommunikative Lösungen.

Ich wünsche der EMA auch, dass sie nach 10 Jahren verstreut auf mehrere Gebäude und Flure ein gemeinsames Zuhause für alle Mitarbeitenden findet.

Bild: Norman Klaas

Zur Person

Kay Oppermann leitet seit über zehn Jahren die Internetarbeit der Landeskirche Hannovers und ist Abteilungsleiter in der evangelischen Medienarbeit. Hier hat er viele innovative Projekte im digitalen Bereich konzipiert, die inzwischen auch von anderen Landeskirchen genutzt werden.

Nach dem Theologiestudium in Göttingen und dem Vikariat in Wunstorf war der gebürtige Uslarer ab 1999 als Pastor in Kuhstedt und Kirchwistedt (Kirchenkreis Bremervörde-Zeven) tätig.

Oppermann verfügt über eine Zusatzausbildung im Bereich Seelsorge und entwarf in seiner Gemeindezeit Konzepte für Jugendarbeit und neue Gottesdienstformen. Er ist Trainer für Personalentwicklungsgespräche und nebenberuflicher Kirchenmusiker.

Mit seiner Frau Susanne hat der Theologe zwei Töchter im Alter von 8 und 21 Jahren.

Digitale Agentur

Die Digitale Agentur bietet eine Fülle von Werkzeugen für kirchliche Kommunikation.

Neben zwei ausgefeilten Webseitensystemen für unterschiedliche Ansprüche (max-e und wir-e) organisiert die landeskirchenweite Terminvernetzung (termine-e) für Ihre Gemeinde oder Einrichtung den kirchlichen Alltag.

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