Ein Tusch für Konferenz-e

Nachricht Hannover, 02. März 2021

Die Räume im „digitalen Gemeindehaus“ stehen für alle offen

Bild: EMA

Angefangen hat die Geschichte am 2. März 2020

Ein Pastor fragte mich neulich, wie er bei konferenz-e einen Raum für eine Videositzung einrichten könne. Ich antwortete: „Öffne die APP von konferenz-e. Schreib oben ´Hallo´ rein“. – Das tat er und ich tat dies ebenfalls. Kurz darauf trafen wir uns auf dem Bildschirm in einem Raum namens „Hallo“ und sagten „Hallo“. „Ach, so einfach ist das...“, meinte der Kollege. Das ist das Schöne an konferenz-e: Jeder beruflich- und ehrenamtlich Tätige der Landeskirche kann dort einen digitalen Raum einrichten und sich mit anderen treffen.

Angefangen hat die Geschichte von konferenz-e heute vor einem Jahr. Es war der 2. März 2020, als die Landesuperintendenten und der Landesbischof den Workshop „Videotelefonie“ gebucht hatten. Die hohen Geistlichen, die ihre langen Fahrtzeiten verkürzen und die Präsenzsitzungen reduzieren wollten, sausten durch die Flure im Haus Kirchlicher Dienste, suchten nach Netz und anschließend nach Worten, als sie erstmals per Video auf ihren Bildschirmen tagten. 

Großes Treffen im Raum „Dienstrunde9Uhr“

Als die Corona-Pandemie zu Kontaktbeschränkungen führte, wurde konferenz-e schnell für alle Haupt- und Ehrenamtlichen der hannoverschen Landeskirche eingeführt. Nicht alles klappte auf Anhieb. Bei „Work in progress“ wurden Datenlast gesenkt, Serverkapazität erhöht, Firefox verboten und die APP entwickelt. Seitdem haben eine Viertel Million Menschen konferenz-e genutzt, die meisten von ihnen tun dies regelmäßig, manche sogar wegen Homeoffice täglich. Konferenz-e ist nach fast einem Jahr mein „digitales Gemeindehaus“: Beim ersten Klick bietet es mir mehr als zwanzig feste Räume an. Mit einem weiteren Klick bin ich im gewünschten Raum und treffe andere.

In unserem Kirchenkreis werde ich es nicht müde zu sagen: In Zeiten der Kontaktbeschränkungen ist es eine gemeindepädagogische Aufgabe, Ehren- und Hauptamtliche beim Gang ins digitale Gemeindehaus mitzunehmen. Dort tagen Kirchenvorstände, proben Chöre (in Einzelstimmen) und besprechen sich Mitarbeitende. Und manchmal treffen sich in dem eher unbestimmten Raum namens „Dienstrunde9Uhr“ Mitarbeitende unterschiedlichster Gemeinden, was zu einem großen „Hallo“ führt.

Einfach mal „Hallo“ sagen

Natürlich: Der „fette Schlitten“ von amerikanischen „Mitbewerbern“ und Weltunternehmen ist vielleicht stabiler als der deutsche „Kleinwagen“ aus der Schmiede von „Jitsi Meet“ und von Programmierer Daniel Trierweiler aus der Evangelischen Medienarbeit (EMA). Und andere Videokonferenzangebote eignen sich besser für Großgruppen wie Kirchenkreissynoden oder für die Außenkommunikation bei Elternabenden oder Konfirmandenunterricht. Aber diese Systeme sind kommerziell und hierarchisch. Sie kosten eine stattliche Jahressumme und brauchen in der Regel einen Host (Papst?), der sich kümmert, bezahlt und einlässt. Und wie sicher die Daten sind, ist ungewiss.

Anders die kostenlose und datensichere APP für Haupt- und Ehrenamtliche der hannoverschen Landeskirche: Bei konferenz-e gilt sozusagen das protestantische Prinzip des „Priestertums ALLER Gläubigen“: Denn jeder und jede Ehren- und Hauptamtliche hat das Recht, Räume zu erstellen und Gastgeber zu werden. Übrigens mit manch überraschendem Einblick in Zimmer mit unaufgeräumten Bücherregalen, mächtigen Öllandschaften und Seefahrerromantik.

In Zeiten der Kontaktbeschränkungen sind wir auf alternative Formen der Begegnung angewiesen. Der Weg bei konferenz-e ist sogar noch ein bisschen kürzer als der Weg ins Gemeindehaus. Mit ein, zwei Klicks kann ich mit anderen im Gespräch bleiben oder einfach mal „Hallo“ sagen.

Superintendent Jan von Lingen

Konferenz-e // Der Entwickler erzählt

War war?

Vor genau einem Jahr wurde Jitsi Meet, beziehungsweise konferenz-e als internes Videokonferenz-Tool für leitende Geistliche eingeführt. Wir wollten damit unter anderem die Möglichkeit schaffen, notwendige Autofahrten und den damit verbundenen Zeitaufwand im weitläufigen Niedersachsen zu verringern und generell einen Teil zur Digitalisierung der Landeskirche beitragen. Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir noch nicht, was auf uns zukommen würde. Kurze Zeit später ging es richtig los – durch die Pandemie und die damit gebotene Einschränkung der Kontakte wurde ein schnell verfügbares Videokonferenz-Tool notwendig. Wir entschieden uns um und öffneten konferenz-e für die gesamte Landeskirche.

Ob für die morgendliche Dienstrunde, das Gespräch mit den Kolleg:innen oder auch mal ein kurzer Videocall am Wochenende mit Verwandten – wir wollten aushelfen und mit Unterstützung dienen. Die Gemeinschaft, die Jitsi Meet entwickelt, wurde von dem spontanen Erfolg ebenfalls überrascht. Viele Features waren noch nicht fertig und wurden in unglaublich schnellem Tempo weiterentwickelt. So sah es auch bei uns aus – wir wollten die Einstiegshürden für Videokonferenzen so niedrig wie möglich halten und haben auf eine ausführliche Hilfeseite, eine native Desktop-App im Landeskirchen-Design und so viel Support in unserem Ticketsystem wie möglich gesetzt – viele Überstunden machten es möglich. Die schönste Sache war gleichzeitig auch das größte Problem – konferenz-e wurde sehr stark genutzt. Wir erweiterten innerhalb kürzester Zeit die Server auf insgesamt 7 und versuchten die Nutzung der Desktop-App zu forcieren, wo es nur ging. Leider war und ist die Unterstützung des sehr beliebten Firefox Browsers ungenügend und beeinträchtigt das Konferenz-Erlebnis aller Teilnehmenden – was für viel Frust sorgte, insbesondere dort, wo die Internetleitungen schwach sind. Dennoch wurde konferenz-e für viele aus unserer Landeskirche zum festen Bestandteil ihres Tages.

Was ist?

Jitsi Meet und das darauf aufbauende konferenz-e hat seit dem Start vor einem Jahr viele Updates bekommen. Die Performance wurde besser, die App hat immer wieder neue Funktionen bekommen und die Nutzerzahlen wachsen ebenfalls stetig. Wir kämpfen weiterhin damit, dass ca. 20% der Nutzenden den Firefox gebrauchen, aber wir haben auch einen großen Anstieg bei der Nutzung der Desktop-App gesehen. Wir halten in der EMA unsere große Dienstrunde alle 2 Wochen mit konferenz-e und sind sehr zufrieden – unser Rekord war bisher 32 Teilnehmende. Aus der täglichen Arbeit ist konferenz-e nicht mehr wegzudenken und wir gehen davon aus, dass das auch nach dem Ende der Pandemie so bleiben wird – allerdings wohl nicht so stark wie aktuell. Daher ergibt sich die Notwendigkeit, die Kapazitäten so flexibel wie möglich anzupassen – sowohl nach oben, als auch nach unten. Zusätzlich sind die Updates ein zeitraubender Prozess – die 7 Server müssen von Hand geupdatet werden, da automatische Updates die Konfigurationen überschreiben. Zeit also für eine weitere Entwicklung pünktlich zum Geburtstag ... 

Was wird?

 ... und die ist schon in den Startlöchern. konferenz-e wird spätestens Ende des Monats ein weiteres Update bekommen, was es in sich hat! Die komplette Architektur wird umgestellt – von mehreren (aber dennoch einzelnen) Servern zu einem Container-System mit aktuellster Technik. Dies ermöglicht es uns, die Kapazitäten schnell und einfach anzupassen und Updates noch regelmäßiger und ohne viel Aufwand einspielen zu können. Die neusten Updates bringen außerdem eine enorme Verbesserung der Qualität sowie einige sinnvolle Features mit sich – intern nutzen wir das neue System schon und testen es ausführlich. Wir hoffen damit auch weiterhin,  einen datenschutz-konformen (ja Zoom – dich meine ich!) Beitrag zu Ihrer täglichen Arbeit leisten zu können. Und falls Sie von konferenz-e aus verschiedenen Gründen in der Vergangenheit nicht überzeugt waren - probieren Sie es doch Ende des Monats noch einmal (allerdings nicht mit dem Firefox ;-)).

Daniel Trierweiler, Programmierung Backend

Zahlen, Daten, Fakten

  • Das System nutzt aktuell 7 Server, um die Last der Konferenzen zu verteilen.
  • Die erste Konferenz im System fand am 2. März 2020 um 11.00 Uhr durch den Landesbischof und die Regionalbischöfe und Regionalbischöfinnen statt.
  • Seit dem Start des Systems haben 265.000 Personen (inkl. Mehrfachnutzung) das System benutzt.
  • 20 Prozent der Besucher:innen nutzen für die Konferenzen ein Smartphone.
  • 55 Prozent der Besuche fanden au dem optimalen Weg mit einem auf Chomium basierenden Browser oder einer App statt.
  • Leider nutzten insgesamt 20 Prozent bei den Videokonferenzen den ungeeigneten Browser Firefox.
  • Häufigste Nutzungszeiten des Systems waren morgens um von 9.00 - 10.00 Uhr und Abends von 19.00 - 20.00 Uhr Uhr.
  • Die Namen der Räume in Konferenz-e sind frei wählbar. Erstaunlich: 3200 Mal wurde der Raum „Test“ genutzt. ;-)
  • Die Webadresse des System ist bei den Nutzenden gut bekannt. Nur 12 Prozent nutzten einen Link, um auf Konferenz-e zu gelangen. Nur 3 Prozent haben das System über eine Suchmaschine gefunden.

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Der Entwickler

Daniel Trierweiler
Archivstr. 3
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