Preisverleihung #meinfreiraumfoto

Nachricht Hannover, 09. Dezember 2019

Laudatio für die Gewinner des Fotowettbewerbs

Was ist dein Freiraum? Als die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers vor etwas mehr als einem Jahr die „Zeit für Freiräume“ startete, war sehr schnell klar: Das Thema ist individuell und sehr persönlich. In den Vorbereitungen fingen wir an, uns gegenseitig von unseren Freiraum-Ideen zu erzählen und stellten fest, dass sie sehr verschieden sind. So entstand die Idee für den Wettbewerb: Wir haben Menschen eingeladen, ihren Freiraum zu zeigen und mit ihren Bildern Freiraum-Geschichten zu erzählen. 

Die Zahl der Bilder, die in dieser Zeit entstanden, ist hoch – viele davon finden sich unter #zeitfürfreiräume oder #freiräume2019 in den social media. Für den Wettbewerb erhielten wir 91 Einsendungen; die Bilder von Mitarbeitenden in Landeskirchenamt und EMA haben wir nicht in die Wertung genommen. 

Die Jury bestand aus Landesbischof Meister, Prof. Dr. Karen Fromm, Professorin im Studiengang ›Fotojournalismus und Dokumentarfotografie‹ an der Hochschule Hannover und Dr. Karoline Läger-Reinbold, unterstützt vom Themenraum der Landeskirche.

Wir gratulieren allen drei Gewinnern und bedanken uns bei allen, die uns ihr Freiraumfoto geschickt haben. Die drei Sieger haben die Wahl zwischen zwei Preisen: einer Sofortbildkamera oder einem Coaching mit dem Fotografen Frederik Schindler. 

Für die Jury: Dr. Karoline Läger-Reinbold

Anja Goral // banklos

Anja Goral (Hannover), banklos, (Ich bin einige Tage zu Gast in einer fremden Stadt. Nach einem langen Tag bummle ich durch die Straßen und komme an eine große alte Kirche. Mit dem Gedanken dort einfach nur einen Moment sitzen und verschnaufen zu können, betrete ich sie. Und… ich bin erstmal überrascht und dann enttäuscht. Oder andersrum? Ich wollte doch nur sitzen! Aber in der Kirche steht keine einzige Bank. Sie ist leergeräumt. Die Streifen auf dem Boden verraten, wo mal Bänke standen. […]) (Hannover)

Begründung der Jury: Uns gefällt an dieser Fotografie, dass sie das Thema des Freiraums gleichsam in die Unendlichkeit projiziert. Mit der nach oben gewandten Blickrichtung und einer abstrahierenden Bildsprache, der es weniger um eine Verortung und Gegenstandsbeschreibung geht, weist das Foto über die spezifische Kirchensituation hinaus und lässt im Zusammenspiel von architektonischer Formensprache und Lichtspiel etwas aufscheinen, das jenseits einer konkreten Sichtbarkeit liegt.

Nicole Springer // Freiraum in schweren Zeiten

Nicole Springer (Hagen), "Freiraum" in schweren Zeiten: Gib deinem Leben immer die Chance weite Kreise zu ziehen, auch in augenscheinlich einsamen Momenten. Jeder Kreis erreicht irgendwann ein Ufer. Suche in Allem auch das Schöne, das macht deinen „Raum“ frei.

Begründung der Jury: Uns gefällt die harmonische Bildaufteilung, die geheimnisvolle Spiegelung der Wasseroberfläche, die Mischung aus Ruhe und Bewegung, Nähe und Distanz. Die Fotografin gibt Freiraum und Rückhalt zugleich; das Kind ist bei sich und doch nicht allein, es entdeckt seine Welt, die aus unserer Beobachter-Perspektive noch viel größer ist. Bei diesem Anblick lässt sich verweilen.

Christian Scheel // Lesezeit

Christian Scheel (Nienburg), Lesezeit: Mit Hans Küng in der noch jungen Elbe sitzen. 

Begründung der Jury: Wir haben dieses Bild ausgewählt, weil es sinnbildlich dafür steht, dass man sich seine Freiräume manchmal erkämpfen oder erklettern muss - hier über die Felsen. Dafür wird man jedoch mit einer einzigartigen Perspektive belohnt. Der Freiraum ist wie der Fels in der Brandung - Ruhepol und vielleicht auch Zufluchtsort.